Die Geschichte – to
Verfasst von F am 11. Juli 2009
Zur Erinnerung: belanglos, Binärpräfixe, Käsemauke, Masttransformator, Mummenschanz, Räucherfelchen, Sakralarchitektur, schwarzer Kater
Sie schob den Einkaufswagen durch die Drogerie, die einzige in der Stadt mit Sakralarchitekturoptik für göttliches Klopapiershoppen.
Sie brauchte eine Nachfüllpatrone für ihren Raumerfrischer. Zitrone…, Ozeanfrisch…, Waldduft…, ah Käsemauke – ihr Duft. Doch was ist das?! Räucherfelchen? „Duft geräucherter Fische“… Nee, das ist ja eklig! Sie packte die Käsemaukenachfüllpatrone für ihren Raumerfrischer in den Einkaufswagen, nahm Anlauf, stützte sich auf den Wagen, rauschte um die Ecke und stieß einen spitzen Schrei aus. Ein schwarzer Kater lief ihr von links nach rechts über den Weg. Wie war das doch gleich mit dem Unglück? Links / rechts? Rechts / links? Oben / unten? Vorne / hinten? Diagonal?!
Die Schamanin an der Kasse wedelte mit ihrem Weihrauchzepter. „Die Binärpräfixe stehen schlecht, mein Kind.“ Sie streckte ihren langen, dünnen Finger aus und piekte ihr in die Wange. Ihre Fingernägel sind einfach zu lang. Die Distanz ist da immer so schwer zu berechnen. Aber die Nägel sind so gepflegt!
Sie stellte sich in die längste Schlange an der Kasse, weil sie wußte, dass sie sowieso irgendwann drankommen würde. Gedankenverloren schaute sie auf ihren Hund. Sie brachte ihm so viel Liebe entgegen und nichts kam zurück. Aber so war Mummenschanz halt.
Sie bezahlte ihre Käsemaukenachfüllpatrone für ihren Raumerfrischer und packte ihn in ihren Achselkrauler zu dem Masttransformator, den sie gestern in einer Wind und Wetter – Nebel – Regen – Aktion vom Hochspannungsmast abmontiert hatte. Sie musste ihn einfach haben. Was sie nun damit sollte war ihr noch nicht so ganz klar. Vielleicht würde sie ihn ihrem Vater zum Geburtstag schenken. Er bastelt für sein Leben gern und steht auf belanglosen Kram.
Sie klemmt sich ihren Achselkrauler unter die Achsel, verlässt das göttliche Shoppingparadies und wart nie mehr gesehen.
Die Schamanin hatte recht….
Richard Synn sagte
Hahaha, ein Hund namens Mummenschanz. Sehr schön! (und schön aus der Verantwortung gemogelt
)
Kassiopaia sagte
Also, dass du die Geschichte in diese Location bringen würdest, dass hätte ich nie gedacht. Respekt meine Liebe.
Anj sagte
Wie gruselig! Ich hör die Schamanin noch hässlich grunzen vor Schadenfreude.
Sabine sagte
Wow … eine Geschichte ganz nach meinem Geschmack
Teufelnocheins – ich komm nämlich grad aus einer der Konsumsakralbauten.
Einen Mummenschanz hatte ich zwar nicht dabei … aber die schwarze Katze lief mir zuhause über den Weg … auf dem töchterlichen Handydisplay …
In wenigen Wochen wird sie unsere Höhle mitbewohnen
Achja … meine Schamanin hatte kurze Fingernägel – ich glaub, das war nur eine Aushilfe
Spinnengrüße
von
Sabine
F sagte
Ja, ja, immer diese Aushilfen…