Belanglose Alltäglichkeiten

Erinnerungen der F.O.

8+1 – Die Geschichte

Verfasst von F am 21. Oktober 2008

Noch einmal zur Erinnerung die Wörter: Ästethik des Mülls, Bilirubin, Cheesecake, Gentrification, Regenrinne, Rippenspreizer, Sonntagmorgen, Tarzan, Zwiebelkuchen

Cheesecake nannten sie ihn. Er wusste bis heute nicht warum, schließlich hasste er Käse. Trotzdem war das sein Spitzname.

Er stand vor der Haustür und schaute in den abendlichen Himmel. Er war auf dem Weg zu einer großen Party. Eigentlich hatte er gar keine Lust, aber er hatte jetzt schon einen  Zwiebelkuchen gebacken. Es gab kein zurück mehr. Letztes Mal wurde die halbe Nacht über Gentrification geredet. Er war ja der Meinung, dass der Rent – Gap – Theorie als Erklärungsansatz der Gentrification der Urbanisierung vorrang zu gewähren sei.  Es kam zu einer hitzigen und unfreundlichen Diskusion. Zum Glück brachte einer der anderen Partygäste das Thema auf seine erst kürzlich verheilte Gelbsucht. Aufgrund einer Hyperbilirubinämie kam es zur Ablagerung des Bilirubin in der Haut. Er fand das äußerst interessant und hätte da gerne nochmal nachgehakt, aber es war schon 02:00 Uhr und da ging pünktlich das Licht aus und die Musik an – Zeit zum Tanzen. Wenigstens war diesmal Tarzan mit dabei. Tarzan, das war dieser Junge, der als Baby von einer Affenfamilie adoptiert wurde und seine Jugend im Dschungel verbrachte. Er konnte so witzig sein. Zugegeben er roch manchmal etwas streng, aber Eau de Jungle ist halt nicht jedermanns Sache.

Er ging los und vergewisserte sich, dass er seinen Rippenspreizer eingepackt hatte. Ohne ihn ging er nirgends hin. Es war eine Art Maskottchen.  Sein Opa hatte ihn ihm einst vermacht. Gott habe ihn seelig. Eines schönen Sonntagmorgen hing er tot an der Regenrinne. Sein Tod wurde bis heute nicht aufgeklärt. Er erinnerte sich, als wäre es gestern gewesen. Er musste schmunzeln, schließlich war es gestern gewesen.

Er stieg aus der Bahn und bewegte sich im Hopserlauf zu der Haustür, klingelte und trat in den Hausflur. Der Begriff  „Ästethik des Mülls“ bekam hier eine ganz neue Bedeutung. Wasser-, Schimmel-, Blut- und Essensflecken bildeten ein Kandinskygleiches Gemälde. Im zweiten Stock angekommen, hörte er auch schon hitzige Wortgefechte über die utilitaristische Theorie. Er war froh, dass er doch gekommen war. 

8 Antworten zu “8+1 – Die Geschichte”

  1. Kassiopaia sagte

    *klatsch klatsch* Mehr davon bitte! Du hast die Worte echt gut verwurschtelt. ^^

  2. F sagte

    Danke.

  3. Anj sagte

    Ey du hast aus meinem Tarzan einen Stinkerich gemacht!!! So geht das doch nicht!

  4. John-Patrick sagte

    respekt respekt :D das hast du wirklich mit bravur gelöst :)

  5. Wolfgang sagte

    Genial, ich musste ein paar Mal Tante Googel bemühen.

  6. F sagte

    Ich habe nie gesagt, dass Tarzan stinkt, Anj. Das hast du reininterpretiert. Manche Parfüms riechen halt streng. Das ist so.

  7. ich verneige mich hochachtungsvoll

  8. [...] von F am 27. Juni 2009 Es ist mal wieder soweit: 8 Wörter eine [...]

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