Belanglose Alltäglichkeiten

Erinnerungen der F.O.

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Verfasst von F am 21. August 2007

Da stand sie nun. Ausschnitt bis zum Bauchnabel – Luftlinie versteht sich, denn der üppige Busen verzehrt die Perspektive, genauso wie den kryptischen Text über eben diesem. „Die Hose hätte echt enger sein können“, denkt sie sich. Die Wülste rollen sich über den Bund und ja, vielleicht ist da irgendwo noch Luft. Doch die Röhrenjeans saß wie eine zweite Haut an Ober- und Unterschenkel. Wo da die Luft ist, bleibt ihr Geheimnis – klein, süß und verrucht. Susi, wie sie sich selber gerne nennt, versteht sich als Sexsymbol. Sie ist eine Seele von einem Menschen. Gestern erst hat sie ihr neues Sony Ericson Handy, aus dem gerade die neuesten Beats von Timbaland plärrten, leiser gestellt, als auch der letzte Platz in der S-Bahn belegt war. Von irgendwo drangen nämlich Sean Pauls heiße Rhythmen an ihr Ohr. Denn auf Interferenz steht auch sie nicht. Sie wußte zwar nicht ganz, was das war, aber in der Schule, dass wußte sie genau, hat sie mal sowas gehört. Wahrscheinlich, denkt sie, entstehen so immer die geilen Feature – Sachen. Intelligentes Mädchen, diese Susi. Wer möchte nicht zu ihrer Clique gehören. Anführerin ist sie nicht. Ein kurzer Blick verrrät, dass das nicht ihrem Charakterbild entspricht. Sie ist eher die Zurückhaltende, das stille Mäuschen, will nicht auffallen oder provozieren. Der Gutmensch, der alten Leuten auch mal über die Straße hilft.

Das alles geht ihr durch den Kopf. Na gut, da sind auch noch andere Gedanken: Gibt es das rosa Top noch in meiner Größe? Wie treibe ich das Geld für den neuen Ipod auf? Ein Walkmanhandy reicht ihr nicht. Da ist sie konsequent, keine halben Sachen. Soll sie sich auch noch das fünfte Paar Ballerinas kaufen? Ihr Herz sagt nein, ihr Verstand ja. Schwierige Fragen, essentielle Wortgruppen. Was auch immer dieses Wort bedeutet, aber es klingt groß. Lässt sie wichtig erscheinen, denn auch eines weiß Susi: Wissen ist Macht, doch nichts wissen macht auch nichts.

Deshalb kauft sie sich auch noch dieses Paar Ballerinas und den roten Lippenstift und die neuen Hotpants, kurzen Höschen, Push up – BHs und Schmuckimitate für ein garantiert billiges aber vielsagendes Outfit.

6 Antworten zu “Spieglein, Spieglein an der Wand…”

  1. Anj sagte

    Hör bitte auf, mich hier so fertig zu machen!!! ^^

  2. Du hast das Tattoo eines chinesischen Zeichens im Nacken auf Höhe des 6. und 7. Halswirbelkörpers vergessen, von dem man sich nicht sicher sein kann, ob es „Nr.125 Ente süss-sauer“ oder „Hauptbahnhof“ heißt.
    … bzw. das „Arschgeweih“, das über dem tiefsitzenden Hosenbund prangt und eingerahmt wird von einem festgeklemmten String-Tanga in Schwarz-Rosa-Metallic, der ebenfalls rausguckt.
    Und dann waren da noch das Nasenpiercing, das so schöne Nickelallergien macht und der Glitzerstern, den der Zahnarzt des Vertrauens auf die Stelle geklebt hat, wo bis vor 2 Jahren noch das Bracket einer Zahnspange saß.

    Ja, und neulich ward Susi in der Notaufnahme eines Krankenhauses gesehen, so um halb vier früh am Sonnabend. Die Disco war so ätzend. Naja, und dann hat ihre Freundin gemeint, sie müsse dieses Brennen beim Pullern endlich mal abklären lassen, vielleicht ist das ja was ganz Schlimmes. Da stand Susi nun angsterfüllt mit diesem hautengen „Zicke“-Shirt, was 6 cm über dem Bauchnabel endete und ihrer Röhrenjeans, die das aufheben von fallengelassenen Gegenständen nicht zuließ. Dieser sexy Doktor, der da ihr da gegenüberstand und auf ihrem Bauch rumdrückte. Wenigstens einer, der sie in dieser Nacht drückte. Krass, und das für 10,- – das war billiger als der Eintritt in die Disco. Hier war wenigstens was los. Susi wurde warm, als er sie aufforderte, das T-Shirt auszuziehen. Endlich jemand, der sich für ihren arschgeilen Body interessierte und zu schätzen wusste, was die Natur und Milka-Schokolade geschaffen hatten. Genüsslich räkelnd zog sie das Shirt hoch und höher und entledigte sich des lästigen Kleidungsstücks. Erwartungsvoll sah sie den Doktor an. Hoffentlich schickte er die Schwester endlich weg, das war ja einfacher als auf der Tanzfläche. Hier würde sie öfter herkommen. Bloß das mit dem Ur-in hatte sie nicht gleich verstanden. Ihre Uhr war in? Hää?
    Die Schwester hatte der Doktor nicht rausgeschickt. Nein, die brachte sie dann zum Klo und hielt ihr einen Becher hin. Susi dämmerte es. Was war das denn für ein blödes Spiel mitten in der Nacht in einen Becher zu pinkeln? Wollte er vorher wissen, ob sie schwanger war? Echt krass der Typ.
    Harnwegsinfekt sagte er später zu ihr, als er mit einem Zettel zurückkam. Was fürn Weg? Sie soll sich mehr anziehen und viel trinken. Man, Susi war enttäuscht. Der Typ blickte es echt nicht. Mehr anziehen? Eh, der hatte sie ja nicht alle. Wie soll man dann ihren megageformten Body sehen? Was so romantisch begann, sollte Susi in dieser Nacht schwer enttäuschen. War das alles? Einmal ausziehen und aufs Klo gehen? Man, die Typen konnte man echt alle vergessen. Was blieb war ihr Sony Ericson Walkman Handy. Dachte sie. Denn nach den elendig langen 2 Stunden Warten vor der Notaufnahme war der Akku leer. Boah und die 10,- Euro waren auch weg und sie hatte nicht mal Pillen gekriegt.

  3. F. Oldörp sagte

    ey, susi scheint ja jeder zu kennen…

  4. Anika sagte

    super text! Ab damit auf die Lesebühnen! Echt toll:-)

  5. F. Oldörp sagte

    danke, aber ein bisschen wenig dafür.

  6. Kassiopaia sagte

    Herrlich! :D Auch die von Assistenzarzt beschriebene Susi- was für ein Miststück!

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